++ 2011, AZ | Allgäuer Zeitung | Sport ++
Goldige Geste
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AZ | Tobias Schuhwerk | Manche Zeitgenossen tun einfach alles, um ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Das weiß die Menschheit spätestens seit Kaiser Nero. Der alter Römer soll ein dermaßen großer Ehrgeizling gewesen sein, dass er die Olympischen Spiele um zwei Jahre vorverlegte, damit sie besser in seinen Terminkalender passten. Und dann ließ er sich auch noch zum Sieger im Wagenrennen erklären, obwohl er mit seinem Gefährt, das er
selbst lenkte, stürzte und nicht einmal das Ziel erreichte. Ganz schön dreist, dieser Kaiser!
Doch auch das einfache Fußvolk verblüfft immer wieder mit Einfallsreichtum, wenn es um den Griff nach Gold geht. Erinnert sei beispielsweise an den schwedischen Leichtathleten Erik Umedalen, der Ende der 40er Jahre mit immer neuen Bestweiten im Hammerwerfen für Furore sorgte und zwischenzeitlich sogar den Weltrekord hielt.
Mit allerlei Tricks zu hammermäßigen Leistungen
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Bis der wahre Grund für seine hammermäßigen Leistungen bekannt wurde: Umedalen hatte sich vor den Wettbewerben als Kampfrichter mit grüner Binde getarnt - und sich einen 500 Gramm leichteren Hammer in den Ring gelegt. Derartiger Erfindungsreichtum ist bei den Sportbetrügern der heutigen Zeit nur noch ansatzweise vorhanden: Er beschränkt sich meist auf abenteuerliche Ausreden nach glasklaren Dopingbefunden.
Dass der eigene Erfolg nicht das Maß aller Dinge ist, hat diese Woche die Ski-Freestylerin Katharina Förster eindrucksvoll bewiesen. Die 21-Jährige von der RG Weiler Simmerberg gewann - ohne jegliche Trickserei - das erste Saisonrennen im Deutschlandpokal in Lenggries. Auf eigenen Wunsch fuhr sie ohne Goldmedaille nach Hause. Denn die schenkte sie ihrem Allgäuer Teamkollegen Yuma Hioki.
Und der Gewinner ist ..: Yuma Hioki aus Füssen
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Der 12 Jahre alte und 1,40 Meter kleine Deutsch-Japaner von SC Füssen hatte sich zuvor sensationell bei den Männern (!) unter 32 Teilnehmern fürs Finale der besten Zwölf qualifiziert. Den siebten Platz des Gymnasiasten, der vor drei Jahren durch ein Verlosungsaktion unserer Zeitung zum Freestyle kam, stufte Förster höher ein als ihre eigene Leistung – und hängte Yuma kurzerhand ihre Medaille um den Hals.
Eine goldige Geste, die wir hiermit zum Top der Woche küren. Denn sie Zeigt: Mitunter darf man sich als als Sieger fühlen, wenn man (noch) nicht ganz oben auf dem Treppchen gelandet ist.
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