
++ 11.03.2011, AZ | Allgäuer Zeitung | Jugendseite Szene ++
Freiheit ohne Grenzen ... I/III
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Freestyle–Skifahren liegt im Trend: Wie Jugendliche versuchen, in die Szene einzusteigen
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Allgäu | AZ - Von Dominik Riedle, Foios: Jörg Schollenbruch. – Für ein paar Sekunden fixiert
Marcel Holderried die Schanze. Dann rammt er
seine Skistecken kräftig in den Boden, nimmt Fahrt auf und saust auf seinen zwei Brettern auf den Schneehügel zu. Kurz vor der Schanze geht er in die Knie, schießt in die Höhe, dreht sich einmal um die eigene Achse und landet wieder vorwärts auf seinen Skiern. „Das war ganz passabel“, kommentiert er seinen Sprung und fügt an: „Heute haben die Skier mehr Tempo drauf, als man denkt.“
Doch dem 19-jährigen Pfrontener macht das nichts aus: Seit gut drei Jahren wagt er sich an kleinere und größere Schanzen, sogenannte Kicker, heran, über die er springt – mal mit Drehung, mal ohne, mal mit „Grab“ (zu Deutsch: Anfassen). Marcel erklärt: „Dabei berührt man seine Skier, wenn man in der Luft ist.“ Freestyle (freier Stil) nennt sich diese Sportart – und der 19-Jährige ist bei weitem nicht der einzige, der sich dafür begeistert. An diesem Tag probieren sich auch Lukas Hößle (13), Florian Kleinbauer (13) und Simon Waßmer (17) im Easy Fun Park des Skizentrums Pfronten-Steinach am Breitenberg. Die Anlage soll Anfängern die Möglichkeit geben, in die Freestyle-Szene einzusteigen – so wie Lukas, der sich an diesem Tag zum ersten Mal über den großen Kicker traut. „Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Für den Anfang bin ich zufrieden“, resümiert er danach. Neben den Schanzen gibt es im Pfrontener Park auch sogenannte Boxen, über die man „sliden“ (zu Deutsch: gleiten) kann. Simon und Marcel bevorzugen inzwischen den Fun Park an der Alpspitze in Nesselwang. Die Anlage dort sei größer und ermögliche noch mehr Tricks, sagt Marcel. „Im Winter versuchen wir, mehrmals die Woche in den Parks zu üben“, erzählt Simon, der seit knapp zwei Jahren Sprünge und Tricks ausprobiert. Simon und Marcel sind auch als Skilehrer für die Skischule Pfronten im Einsatz – doch stupide die Piste runterzusausen, reicht ihnen nicht aus. „Beim Freestyle kann man sich ausprobieren, kann Tricks üben. Das geht von Drehungen bis zu Saltos. Da gibt es immer eine Herausforderung“, sagt Marcel. Florian pflichtet ihm bei: „Einfach nur den Hang herunterzufahren, ist langweilig.“ Sei er auf der Piste, suche er immer nach etwas, über das er springen könne, verrät Simon. „Da reichen schon Baumstümpfe.“
Einen Trainer, der ihnen die Technik beibringt, haben die vier Jungs nicht. „Ich sehe mir Videos von Profis an und versuche, manche Tricks nachzumachen“, erzählt Marcel. Ähnlich macht es Florian: „Ich schaue mir Vieles von erfahrenen Freestylern ab.“ Unerlässlich ist für Marcel, Florian, Lukas und Simon, Schutzkleidung zu tragen. Dazu gehören nicht nur ein Helm, sondern auch Protektoren für den Rücken. Zudem haben sich alle vier Trickski zugelegt, die vorne und hinten gebogen sind. Für gefährlich hält Marcel die Sportart nicht: „Man muss einfach klein anfangen. Dafür sind Easy Fun Parks ideal, weil sie von Profis gebaut werden. Dann kann man sich langsam steigern.“ Viele Freestyler wagen sich auch mit dem Snowboard an Schanzen oder die Half Pipe. Simon winkt jedoch ab: „Mit Skiern kann man viel mehr Tricks machen. Mit dem Board ist das begrenzt.“ Marcel findet, dass die Sprünge mit Skiern „besser aussehen und mehr Style haben“. In der schneelosen Zeit weichen die beiden zum Beispiel aufs Trampolin aus, auf dem sie ähnliche Bewegungsabläufe wie beim Freestyle üben. Marcel sagt, dass er auch Slacklinen mache (Anm. d. Red.: Dabei balanciert man über ein Band.): „Das ist gut für das Gleichgewicht.“
Der große Traum der vier Jungs ist es, irgendwann einmal bei einem Freestyle-Wettbewerb anzutreten. Die Sportart professionell zu betreiben, würde Marcel zwar reizen. Realistisch sei das aber nicht: „Um das zu erreichen, hätte ich schon mit elf oder 12 Jahren anfangen müssen.“ Vielleicht, so der 19-Jährige, ergebe sich mal die Möglichkeit, sich bei einem Contest mit anderen Freestylern zu messen. Bis dahin trainiert Marcel weiter kräftig – auch wenn es manchmal hart ist: „An manchen Tagen, an denen man viele Tricks ausprobiert hat, tun danach Bett und Eisbeutel ganz gut.“
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weiter geht´s mit ...
Freiheit ohne Grenzen II -> Trendsport Ski-Freestyle das Interview - Teil: II/III
Freiheit ohne Grenzen III -> Freestyle-Nachwuchstalente im Allgäu - Teil: III/III
Freestyle ist Freiheit ohne Grenzen – aber wie kommt man dort hin?











